Im Herbst 2003 befand sich Nokia an der absoluten Spitze des Mobilfunkmarktes und beschloss, einen beispiellosen Schritt zu wagen. Das Unternehmen stellte das Nokia N-Gage vor, ein ambitioniertes Gerät, das die Dominanz der Handheld-Konsole Game Boy Advance beenden sollte.ancVon Nintendo erwarteten Nutzer und Experten eine echte Revolution von diesem Hybridgerät. Zum ersten Mal in der Geschichte sollte ein vollwertiges Mobiltelefon mit Symbian-System, MP3-Player, UKW-Radio und leistungsstarker 3D-Spielkonsole in eine einzige Hosentasche passen.
Batteriebetriebener Gamechanger und das legendäre Elefantenohr
Die erste Generation des N-Gage ähnelte in ihrer Form einem mexikanischen Taco. Man hielt das Gerät mit beiden Händen, und das Display in der Mitte war im Hochformat – ein schlichtweg unpraktisches Format für Videospiele. Der eigentliche Schock kam jedoch, wenn man ein anderes Spiel spielen wollte. Spiele wurden auf MMC-Speicherkarten verkauft, deren Steckplatz absurderweise unter dem Akku versteckt war. Pro Um das Spiel zu ändern, musste man das Telefon komplett ausschalten, die Rückseite entfernen, den Akku herausnehmen, die Speicherkarte austauschen und das Gerät neu starten. Ein weiteres Ziel des Spottes war das Telefon selbst. Hörer und Mikrofon befanden sich an der Oberkante des Geräts. Um überhaupt telefonieren zu können, musste man das Telefon mit der schmalen Kante ans Ohr halten.
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Dreidimensionale Treffer und hohe Übernahmepreise
Trotz seiner Konstruktionsmängel bot das N-Gage für seine Zeit ein großartiges Spielerlebnis. Flüssige 3D-Grafik auf einem Handydisplay darzustellen, war 2003 undenkbar. Zum Spieleangebot gehörten Titel wie das vollwertige Tomb Raider und Tony Hawk's Pro Skater, Sonic N oder Call of Duty. Das absolute Highlight und die Demonstration der Leistungsfähigkeit der Plattform war das taktische Meisterwerk Pathway to Glory. Spieler konnten sich außerdem lokal via Bluetooth oder online über das N-Gage Arena-Datenportal im Mehrspielermodus messen.
Doch dieser technologische Prestige hatte seinen Preis. Das Handy selbst kostete bei seiner Markteinführung rund zehntausend Kronen, und die Preise für einzelne Spiele lagen zwischen 1.000 und 1.500 Kronen. Damals entsprach dies den Preisen großer Titel für Desktop-Computer und klassische Konsolen, was für normale Nutzer und Gelegenheitsspieler auf dem Handy viel zu teuer war.
N-Gage QD als Bugfix, der spät kam
Nokia war sich der Fehler der ersten Generation bewusst und brachte 2004 schnell das verbesserte N-Gage QD-Modell auf den Markt. Die zweite Generation zeichnete sich durch ein deutlich kompakteres, abgerundetes Design mit einem Gummirand aus, der das Gerät vor Stürzen schützte und ihm ein sportlicheres Aussehen verlieh. Die größte Verbesserung war die Rückkehr der Hörmuschel an die Vorderseite des Telefons, wodurch es bequemer mit dem Smartphone genutzt werden konnte.oneDer finnische Hersteller hat außerdem den Speicherkartensteckplatz an den unteren äußeren Rand verlegt, was schnelle Spielwechsel im laufenden Betrieb ermöglicht, ohne das Telefon ausschalten zu müssen.
Um jedoch sowohl die Herstellungs- als auch die Verkaufspreise zu senken, musste die QD-Version schmerzhafte Kompromisse eingehen. Nokia entfernte den Hardware-Decoder für den Stereo-MP3-Player, das FM-Radio und sogar den standardmäßigen USB-Anschluss.oneObwohl die zweite Generation ein deutlich besseres Spielgerät mit verbesserter Display-Hintergrundbeleuchtung und komfortableren Tasten war, konnte sie die Plattform nicht retten. ProDas N-Gage-Projekt war ein äußerst gewagtes Experiment.