Anfang 2002/Anfang 2003 war ein Farbdisplay in der Hosentasche ein Luxus, der Führungskräften vorbehalten war. Doch dann brachte der finnische Konzern Nokia das 3510i auf den Markt, und die Spielregeln änderten sich über Nacht. Dieses legendäre, klobige Handy brachte Farbe, polyphone Klingeltöne und vor allem mobile Spiele, die im Sturm die Schulflure und die Herzen der damaligen Generation eroberten.
Ein Farbdisplay für alle und beleuchtete Seiten
Das Nokia 3510i basierte auf dem früheren Schwarzweißmodell 3510, doch das „i“ im Namen revolutionierte die Handywelt. Das passive CSTN-Display bot eine bescheidene Auflösung von 96 × 65 Pixeln und konnte nur 4.096 Farben darstellen. Obwohl es bei direkter Sonneneinstrahlung kaum lesbar war und die Bildaktualisierung spürbar verzögert erfolgte, störte das damals niemanden, denn das Display in dieser Handyklasse hatte Farbe.
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Der Charme des Telefons wurde auch durch sein unverwechselbares Design mit austauschbaren Xpress-on-Abdeckungen unterstrichen. Ein typisches Erkennungsmerkmal waren die durchscheinenden Gummiseiten, die bei eingehenden Anrufen oder Alarmen hellorange aufleuchteten. Das Telefon war praktisch unzerbrechlich, lag perfekt in der Hand und seine vierstimmigen polyphonen Melodien klangen aus dem rückseitigen Lautsprecher unvergleichlich voller als das alte Piepen des Nokia 3310.
Java und Gaming-Wahnsinn im Rampenlicht
Das Wichtigste geschah jedoch im Spielemenü. Das Nokia 3510i unterstützte die Technologie Java (MIDP 1.0), was in dieser Preisklasse eine Offenbarung war. Die Nutzer waren nicht länger auf einen einzigen integrierten Titel beschränkt.
Klassiker wie das Arcade-Spiel Sky Diver, das Logikspiel Triple Pop oder Backgammon warteten schon auf dem Handy, doch der wahre Hype begann mit dem Herunterladen weiterer Spiele. Trotz der langsamen WAP- und GPRS-Technologie wurden diverse Hits auf den bescheidenen Speicher von wenigen hundert Kilobyte geladen. Die Spieler verschlangen Jump'n'Run-Spiele, allen voran das legendäre Prince of Persia, Rennspiele, Fußball und Arcade-Spiele, die sie bis dahin nur von den Spielkonsolen in ihren Hosentaschen kannten.
Die Soft-Touch-Tastatur wurde bei intensiven Gaming-Sessions etwas steif.ancEs war eine Menge Arbeit, aber das Handy hat alles überstanden. Das Nokia 3510i wurde zum Symbol einer unbeschwerten Ära, in der wir zum ersten Mal in der Geschichte die monochrome Schlange gegen farbenfrohe virtuelle Welten eintauschten. Unglaublich, aber wahr: Dieses Handy wurde meiner Urgroßmutter geschenkt, die es irgendwann 2007 „geerbt“ hat. Traurigerweise hatte sie ein besseres Handy als ich, was mich als begeisterten Handyspieler ziemlich geärgert hat. Damals besaß ich ein Alcatel OT 735, das, was Spiele anging, ziemlich lahm war. Aber es hatte einen Joystick, was damals ein tolles Gadget war.